Roadtrippin‘ Isafjördur

Guten Abend aus Sudavik. Nicht selbstverständlich, denn wir hatten heute unseren Off-Day und sind raus in die große weite Welt, um sämtliche Berge herum bis nach Isafjördur.

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Hin kein Problem – mit Jonas, unserem Boss. Schnell noch ein paar Dinge im „Bonus“ geshopped für die Allgemeinheit und dann wurden wir in Isafjördur Mitte ausgesetzt. Noch grad Nummern ausgestauscht, if we get lost, ein paar einheimische Tipps eingeholt und los gehts ins erste Café am Platz. Cool, free wifi wie überall in Island, was dann auch zur Folge hat, dass wirklich jeder [!] dort mit mindestens Tablet sitzt und irgendetwas online erledigt. Selbst ein älteres Paar sitzt sich beim Mittagessen mit Tablet und Netbook schreibend gegenüber. Spooky! Okay, wir nutzen die Zeit um den Blog zu vervollständigen und essen anschließend großartigste Pizza mit Süßkartoffeln, Knoblauch und noch irgendwas das man normalerweise nicht auf der Pizza finden würde. Aus Vollkornmehl und mit Liebe gebacken.

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Merkt man. Jepp, war ein Einheimischen-Tipp.

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Also ab durch die „Stadt“, Isafjördur gilt als Hauptstadt der Westfjorde. Ähm, ja… Aber schön ist es, trotz Regen. Die teils sehr schönen Häuser, abgerockt oder nicht, lassen den Blick auf das Fjord frei, eingerahmt von den Bergen, unzählige Wasserfälle, Wolken fast greifbar nah, Schiffe wohin man blickt [unter Anderem auch ein Kreuzfahrtschiff, verrückt, wo sind die alle?].

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Ich bemerke, ich habe mich doch schon sehr an diese Weite und die Größenverhältnisse hier gewöhnt.

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Da macht auch das schlechte Wetter nichts. Heute nacht und heute früh dachten wir noch die Welt geht unter. Jetzt sitzen wir bei Vino und Tapas auf dem Campingplatz und genießen ein wenig Sonne am Abend. Die Shoppingtour lässt sich schnell zusammenfassen: Isländische Mitbringsel lassen uns kalt, Lebensmittel haben wir weitestgehend, Klamotten gibts kaum und wenn, dann ist auch kein Platz mehr im Rucksack, also shoppen wir zur Feier des Ausflugstages nen Tee, ein paar dünnere Socken [bin viel zur warm angezogen heute,fast kollabiert im Laden und hätt mir aus Verzweiflung beinah auch noch eine neue Hose und Schuhe gekauft..]. So bleibts aber bei Kleinkram, noch ne Gaskartusche die ich mir geborgt hatte und, kaum zu glauben, eine Flasche Rotwein. Der ist nämlich in der Tat sehr selten in Island zu finden.
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Dazu brauchts schon einen sogenannte „Vinbud“ [in Kölsch „Weinbüdchen“?] der einzige Ort, wo Alkohol legal ausgeschenkt bzw. verkauft werden darf. Man fühlt sich jedes Mal irgendwie wie ein Schwerverbrecher, wenn man dort reingeht, kommt aber freudestrahlend wieder raus, wenn man einen Wein geschossen hat. Wir trafen dann anschließend auch noch die Schweizer und Österreicher vom Campingplatz, die sich ähnlich freuten den Laden um die Ecke entdeckt zu haben. Cool, wir sind equipped! So richtig jetzt sogar: Wir können waschen, essen, Wein trinken und uns frei im Zelt bewegen [das Spinnenthema ist dank Umzug durch]. Was brauchts eigentlich mehr? Ach ja, eine Rückfahrgelegenheit nach Sudavik wäre ja auch nicht verkehrt.. Die freundliche Frau in der Touristinformation beantwortet unsere Frage nach einem Bus mit den folgenden Worten: „Yes, there is a bus to Sudavik. You have to order it in Reykjavik and then they stop here in order to pick you up.“ Cool, wann wäre das denn wohl? „At seven.“ „Today?“ Man muss dazu sagen, in Iceland…weiß man nie. Und man muss auch sagen: Bis zur Landeshauptstadt sind es auch knapp 500km. Ist schon ne Strecke für nen Linienbus sag ich mal. Und so kam es dann auch.

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Nee, der Bus kommt dann morgen früh um sieben. Well, okay, thank you… Also schnell noch nen Pappkarton im Supermarkt mitgenommen, liebevoll „Sudavik“ mit einem dafür völlig ungeeigneten Stift draufgepinselt und ab zur Straße, die uns Richtung Heimat führt.

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Andrea rechnet mit 2-3 Stunden bis ein Auto Mitleid hat, ich hingegen bin da sehr zuversichtlich. Ein paar wenige Autos kommen vorbei, fahren dann aber auch weiter.

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Wir überlegen ob der Name falsch geschrieben ist, denn die meisten lächeln..
Dann kommt ein Kleinwagen, der schon auf einem Auge blind ist und verdächtig Schlagseite hat. Ui…der…..fährt auch vorbei. Hm, der war auch echt voll mit Krempel… „Der hätte uns sicher mitgenommen, wenn er Platz gehabt hätte“ bemerke ich.. Zwei Minuten später steht ein Typ hinter uns und fragt, ob wir nach Sudavik wollen. Yes!!! Hm, also sie fahren in die Richtung, aber nicht mehr um den letzten Berg herum. Ist egal, okay, prima, super…wir kommen mit! Thank you! Es stellt sich heraus, dass es genau jeder schlagseitige Wagen ist und als wir einsteigen wissen wir auch warum. Voll ist gar kein Ausdruck, aber die Jungs sind echt nett, und so kommt es dass wir ins quatschen kommen, die beiden von Touren auf Hornstrandir berichten, und dass sie gerade Daddys Haus auf den neuesten Dtand bringen vor Sudavik. Beide waren schon viel unterwegs, unter anderem übrigens in Osnabrück, Berlin und Kiel, und machen guided Tours in Island. Wie wir, nur nicht mit Füchsen.. Als wir dann berichten was wir sonst so tun, wenn wir nicht in den Westfjorden rumhängen und Andrea ihren „Ich arbeite beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt-Joker“ zieht, entscheidet unser Fahrer plötzlich:“We will bring you to your Campingground.“ Weil, so sagt er, er so neugierig ist und dieses völlig zufällige und absurde Zusammentreffen von uns vieren in dem Moment einfach so unterhaltsam und spannend ist. Bis nach Sudavik? Really? How cool is that?“ Das war nämlich echt noch ein paar Ecken weiter, um den letzten Berg herum.. Ihr wisst schon. Das ganze Fjordprogramm. So steigen wir also direkt vor der Haustür aus dem freundlichen Taxi. Nicht ohne uns noch für die Schlamm-Fußballmeisterschaft haben begeistern zu lassen und für ein Hip-Hop-Konzert der beiden Isländer am nächsten Wochenende, im Rahmen des Muddy-Soccer-Festivals. Auf isländisch. Cool, da gehen wir wohl mal hin. Mit dem Rückweg das sollte doch wohl wieder so gut klappen..
Der Rest des Abends ist Geschichte.

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Andrea trägt Teller mit Nudeln kilometerweit durchs Dorf, wir lernen die neuen Campingnachbarn aus Dormagen kennen [erklärt auch das doch sehr ähnliche Equipment aufgrund eines großen Anbieters in Köln…] und lassen es uns gutgehen.
Falls ihr Freddy vermisst habt heute, wir auch! Eben hatte er sich in seinem Bau verkrochen. Es gab Fisch. Da war er dann wohl müde der Kleine..
Das sind wir nun auch und werden gleich ins Bett wandern. Zelt steht ja jetzt am Ende des Platzes. Aber nach so nem erfolgreichen und entspannten Tag zaubert uns doch selbst noch das nasse Grass an den Socken und die angebrannten Nudeln ein Lächeln ins Gesicht.

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Genau das sind übrigens die Momente, die ich liebe. Und in Island begegnet man ihnen so häufig. Weil man fast keine andere Wahl hat, als sich auf dieses Leben hier genauso einzulassen wie es um die Ecke kommt. Der Dank geht an zwei nette Isländer, die uns völlig selbstlos und selbstverständlich noch in ihr kleines Auto gequetscht und mit uns noch an ihrem eigentlich Ziel vorbei um irgendwelche Berge rumgegurkt sind. Der guten Unterhaltung wegen…

Life is good!
Gute Nacht aus Sudavik **

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